Segelfliegen

Segelfliegen ist ein faszinierender Sport für uns. Er bietet tolle Eindrücke, ruhige Momente, Mannschaftssport, persönliche Herausforderung an den Piloten, Spaß und – wenn man will – auch Leistungssport.

Nur mit der Kraft des Windes (bei Flügen entlang von Hängen oder Bergen) und warmer, aufsteigender Luft (sogenannter Thermik) bewegt man sich durch die Luft. Bei gutem Wetter stundenlang. Ist dieser Sport am Boden auch ein Mannschaftssport – man kommt mit einem reinen Segelflugzeug ja nicht ohne Hilfe in die Luft – ist man in der Luft allein oder zu zweit. Man nimmt die Landschaft und das Wetter noch einmal ganz anders wahr als vom Boden oder aus einer Linienmaschine. Dabei sind unsere Fluggeräte, trotz nur ca. 300-500 kg Gewicht, stabiler als die großen “Brüder” von Boeing oder Airbus. Bei gutem Wetter erreichen wir bei uns am Platz oder im nahen Sauerland Höhen von 1500 m, an Spitzentagen bis nahezu 3000 m.

Segelfliegen ist nicht schwer und macht ungeheuren Spaß! Bereits mit 14 Jahren kann man mit der Ausbildung zum Segelflieger beginnen, und mit 16 Jahren kann man dann seinen eigenen Flugschein in der Hand halten.

Will man den Sport vertiefen, sich weiter fordern oder andere Facetten entdecken, gibt es die Möglichkeit Streckenflug (auch Überlandflug genannt) zu machen oder auch Kunstflug. Bei Überlandflügen kreist man in der Regel in aufsteigender Luft bis nah an die Wolken und gleitet dann wieder zur nächsten Wolke. Ohne Motor und Zwischenstopp sind an einem guten Tag Flüge mit mehreren 100 km Länge und Durchschnittsgeschwindigkeiten von 80-100 km/h über die Gesamtstrecke möglich. Auch mehr als 1000 km wurden schon von unserem Platz geflogen, allein mit der Kraft des Wetters.

Unsere kleine Gruppe aktiver Streckenflieger flog in der Saison 2011 in der 2. Bundesliga (ja, so etwas gibt es auch in der Segelfliegerei!) und gewannen 2014 den Titel als OLC-Landesmeister. Natürlich wird man erst einmal an das Thema herangeführt und jeder bestimmt sein eigenes Tempo. Die meisten unserer Mitglieder fliegen aber einfach nur zum Spaß, was am Ende die Hauptsache ist!

Neugierig geworden? Lust mitzufliegen oder sogar als “Schnupperer” selbst am Steuerknüppel zu sitzen (natürlich mit einem unserer erfahrenen Fluglehrer!)? Sprechen Sie uns an, wir freuen uns darauf!


Mit welchem Alter kann man mit dem Segelfliegen beginnen?

Die Segelflugausbildung kann mit 14 Jahren begonnen werden. Mit 16 Jahren kann die Lizenz ausgestellt werden. Ein großer Teil unserer Segelflugschüler sind Jugendliche und junge Erwachsene. Eine Segelflugausbildung ist allerdings in jedem Alter möglich. So haben bei uns auch schon ältere Semester das fliegen gelernt…

Wie läuft die praktische Segelflugausbildung ab?

Die praktische Segelflugausbildung ist in drei Abschnitte unterteilt.

Während der ersten Ausbildungsphase lernt der Flugschüler zusammen mit einem Fluglehrer alles Nötige, um ein Segelflugzeug bei unproblematischen Wetterbedingungen sicher in Flugplatznähe zu bewegen.

Dabei sind neben der Beherrschung des Flugzeuges natürlich auch die Orientierung in der näheren Umgebung des Flugplatzes und das Erlernen der wichtigsten Regeln des Flugbetriebes wichtige Lernziele in diesem Ausbildungsabschnitt.

Abgeschlossen wird dieser Teil der Ausbildung mit den ersten drei Alleinflügen des Flugschülers. Im Allgemeinen fliegen unsere Flugschüler nach ca. 30 bis 40 Starts zum ersten Mal allein. Der Alleinflug findet selbstverständlich auf dem doppelsitzigen Flugzeugmuster statt, auf dem bis dahin in Begleitung des Fluglehrers geübt wurde (ASK13).

In der zweiten Ausbildungsphase werden die fliegerischen Fertigkeiten sowohl im Alleinflug als auch mit Fluglehrer vertieft und erweitert.
Zusätzlich Manöver werden einstudiert, es erfolgt in der Regel der Umstieg auf den ersten Einsitzer (KA6) und das Fliegen bei anspruchsvolleren Wetterverhältnissen wird geübt. Außerdem werden die ersten längeren Thermikflüge im Alleinflug gemacht. In dieser Zeit absolviert der Schüler etwa weitere 40 Starts.

Der dritte und letzte Ausbildungsabschnitt dient der Vorbereitung auf die letzte Hürde in der praktischen Ausbildung – den 50-Kilometer-Überlandflug.
Dabei werden alle Aspekte der Streckenfliegerei strukturiert trainiert. Dazu gehören unter anderem die Navigation, Strategie des Streckenfluges, Verbesserung der Thermikflugtechniken und natürlich auch das Trainieren von Anflügen auf Außenlandefelder. Nach intensiver Vorbereitungsphase, in der der Schüler bereits längere Streckflüge zusammen mit einem Fluglehrer aber auch kürzere im Alleinflug absolviert hat, geht es auf zum 50-Kilometer-Flug.Die praktische Ausbildung schließt mit der praktischen Prüfung ab. Dabei macht der Flugschüler – ähnlich wie bei der Fahrprüfung zum Führerschein – Flüge mit einem Prüfer.

Bis zum Luftfahrerschein hat der Flugschüler etwa 100 bis 130 Starts absolviert. Er ist bei vielfältigen Wetterbedingungen geflogen, hat mehrere doppel- und einsitzige Segelflugzeugmuster kennen gelernt und durch den Umgang mit erfahrenen Fliegern aus dem Verein viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln können, die über das eigentliche Erlernen des Flug-Handwerkes weit hinausgehen.

 

Wie läuft die theoretische Ausbildung ab?

Parallel zur praktischen Ausbildung findet die theoretische Ausbildung des Flugschülers statt. Ein Teil des theoretischen Wissens wird direkt bei der praktischen Fliegerei vermittelt, um das Verständnis für die wichtigsten Zusammenhänge zu schaffen. Eine umfassende Theorieausbildung findet im Winterhalbjahr statt. Hierbei werden die wichtigen Zusammenhänge aus einer Reihe von Fächern beleuchtet. Zu den Fächern zählen: Technik, Aerodynamik, Navigation, Meteorologie, Luftrecht, Verhalten in besonderen Fällen und menschliches Leistungsvermögen. An dieser Stelle werden dem Flugschüler zwei Unterrichtsangebote gemacht. Zum einen ist das der vereinsinterne Unterricht, der die Themenkomplexe von Beginn an aufarbeitet und damit einen sehr guten Einstieg in die Materie bietet. Zum anderen wird eine jährlich im Frühjahr stattfindende zentrale Unterrichtsveranstaltung geboten, die alle Themengebiete im gesetzlich geforderten Umfang (60 Unterrichtsstunden) behandelt. Dieser Unterricht findet jeweils am Wochenende statt und wird zur direkten Prüfungsvorbereitung genutzt. Die theoretische Prüfung  (Multiple Choice Verfahren) stellt den Abschluss der theoretischen Ausbildung dar. Die komplette theoretische Ausbildung lässt sich in ein bis zwei Wintern – je nach Vorwissen und Ambitionen – bewältigen.

Begleitend zur Theorieausbildung wird ein Sprechfunklehrgang besucht und anschließend das Sprechfunkzeugnis (BZF) erworben.


Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Nach erfolgreicher Ausbildung kann sich der frischgebackene Lizenzinhaber über seine neu gewonnen Freiheiten freuen. Er kann nun, ohne unter der Aufsicht eines Fluglehrers zu stehen, selbstständig und eigenverantwortlich fliegen und auch Fluggäste mitnehmen.

Trotzdem hat kein Pilot mit dem Erhalt des Flugscheins ausgelernt. Jeder Flug bietet neue Eindrücke und Erfahrungen. Auch können nun zusätzliche Berechtigungen erworben werden. Ein Beispiel hierfür ist die Windenstartberechtigung. Da an unserem Flugplatz aus Sicherheitsgründen keine Windenstarts durchgeführt werden können (die angrenzende Bundesstraße würde gefährdet), wird in der Ausbildung nur die Flugzeugschleppstartberechtigung erworben. Trotzdem fliegen viele unserer Piloten gelegentlich auf Flugplätzen mit Windenbetrieb und sind deshalb an einer entsprechenden Berechtigung interessiert.

Wer die Segelfliegerei mit mehr sportlichem Ehrgeiz betreiben möchte, hat auch hierzu die Möglichkeit. Streckenflug bietet ambitionierten Piloten viel Ansporn. Hierbei sind strategische Entscheidungen und eine möglichst gute Einschätzung des Wetters gefragt. Vereinsmitglieder machen regelmäßig Langstreckenflügen mit bis zu knapp 1000 Kilometern (z. B. von Radevormwald aus bis an die Tschechische Grenze und zurück). Aber auch kürzere Flüge durch Sauerland, Westerwald und Eifel bieten tolle Erlebnisse. Die Teilnahme an zentralen aber auch an dezentralen Wettbewerben ist möglich.

Neben dem Streckenflug wird im Verein auch Segelkunstflug betrieben. Diese Art der Fliegerei fordert eine hochpräzise Beherrschung des Flugzeuges. Die Kunstflugberechtigung kann bei uns im Verein erworben werden. Wen es reizt, motorisiert zu fliegen, der kann sehr einfach eine Typenberechtigung für Reisemotorsegler erwerben. Es ist für Segelfluglizenzinhaber lediglich eine praktische Ausbildung von zehn Flugstunden und eine theoretische Ausbildung in den abweichenden Fächern (Technik, Navigation und Verhalten in besonderen Fällen) nötig. Reisemotorsegler sind zum Teil komplexe und aufwendig instrumentierte Flugzeuge, mit denen schneller und komfortabler Reiseflug möglich ist (FALKE  UND SUPER DIMONA). Die Motorseglerausbildung  wird im LSC Wuppertal angeboten.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass bei regelmäßigem Training die Segelflugausbildung im Vereinsrahmen in etwa zwei Jahren zu meistern ist. Wichtige Voraussetzung hierfür ist, dass der Flugschüler möglichst häufig in der Segelflugsaison bei geeignetem Wetter am Flugplatz ist und Übungsflüge absolviert. Je länger die Pausen zwischen den Flügen werden, desto schneller verlernt der Segelflugschüler das bereits Erlernte und desto länger streckt sich die Gesamtausbildung. Die Segelflugsaison reicht erfahrungsgemäß von März bis Oktober. Geflogen wird in Radevormwald bei passendem Wetter an Wochenenden und an Feiertagen.

Besonders schnell und effektiv können Flugschüler im Rahmen von Kompaktlehrgängen lernen. In den Sommerferien veranstaltet der Verein sein traditionelles zweiwöchiges Fliegerlager. Es findet abwechselnd auf verschiedenen fremden Flugplätzen in einer für Segelflieger interessanten Gegend statt. Neben dem Fliegerlager werden in der Ferienzeit über Ostern aber auch im Sommer zusätzlich Flugangebote speziell für Flugschüler geboten.

Was kostet die Ausbildung?

Die jährlichen Kosten für die Fliegerei im LSC Wuppertal setzen sich aus unterschiedlichen Beiträgen und Gebühren zusammen, wobei Jugendliche und Auszubildende bzw. Studenten durch reduzierte Beiträge gesponsert werden.

Grundsätzlich gilt, dass Fluglehrer, Schlepppiloten, Flugleiter und alle anderen für die Flugausbildung nötigen Personen ehrenamtlich arbeiten. Dadurch und durch den großen Teil der Eigenleistung bei der Wartung unserer Flugzeuge und des Fluggeländes können die Kosten vergleichsweise gering gehalten werden.

Rechnet man alle anfallenden Kosten für die Fliegerei zusammen, so ergibt sich während einer zweijährigen Segelflugausbildung für Jugendliche und Auszubildende ein Gesamtbetrag von etwa 3.000 Euro (entspricht etwa 125 Euro pro Monat), für Erwachsene ein Gesamtbetrag von etwa 4.200 Euro (entspricht etwa 175 Euro pro Monat). In diesen Kosten ist eine durchschnittliche Ausbildungsdauer von zwei Jahren zugrunde gelegt und sämtliche Vereinsbeiträge, Fluggebühren (für ca. 100 Flüge), Prüfungsgebühren und sonstige Kosten berücksichtigt.

Eine komplette Preisliste des LSC Wuppertal finden Sie hier.

 

Beispielhafte Kostenaufstellung für eine zweijährige Segelflugausbildung für Jugendliche:

Es handelt sich hierbei um eine Schätzung der Kosten, die als Anhaltswerte betrachtet werden sollten. Es wird hierbei zwischen einmaligen Kosten durch Aufnahme in den Verein, Prüfungen, Lehrmaterial u.s.w. und mit der Fliegerei verbundenen Kosten unterschieden. Zweitere bleiben auch nach abgeschlossener Ausbildung in einer ähnlichen Größenordnung (eine leichte Reduktion durch etwas geringere Startzahlen kann angenommen werden). Bitte beachten Sie, dass Jugendliche und Auszubildende bei vielen Beiträgen und Gebühren einen ermäßigen Tarif erhalten und deshalb die Kosten für eine Ausbildung von Erwachsene etwas über den angegebenen Beträgen liegen wird.
Einmalige Kosten:

Kostenpunkt Betrag
Einmalige Beteiligung am Versicherungsfonds 75 €
Zentraler theoretischer Unterricht (optional) 50 €
Prüfungsgebühr Theorie und Praxis ca. 100 €
BZF Kurs (optional) ca. 100 €
BZF Prüfungsgebühr ca. 80 €
Medizinisches Flugtauglichkeitszeugnis (gültig je nach Alter für bis zu fünf Jahre) ca. 120 €
Erst Hilfe Kurs “Sofortmaßnahmen am Unfallort” ca. 20 €
Polizeiliches Führungszeugnis ca. 15 €
Auszug vom Kraftfahrt Bundesamt in Flensburg ca. 20 €
Lehrmaterial (Bücher, Karten, …) ca. 50 €
Gesamtsumme der einmaligen Kosten ca. 610 €

 

Regelmäßige Kosten durch die Fliegerei (2 Jahre):

Kostenpunkt Betrag
Segelflugpauschale für zwei Jahre 330 €
Monatsbeiträge für zwei Jahre 840 €
Schleppgebühren für ca. 100 Starts 1.500 €
Gesamtsumme der regelmäßigen Kosten     ca. 2.670 €

Wie läuft ein typischer Tag ab?

Wenn das Wetter stimmt, wird an Wochenenden und auch an Feiertagen geflogen.

Gegen 09:00 Uhr ist der offizielle Beginn des Flugbetriebes. Die Flugzeuge werden aus der Halle geschoben und alles nötige für den Flugbetrieb vorbereitet.

Sind der Flugleiter (Luftaufsicht), ein Schleppflugzeugpilot und ein Fluglehrer da, kann es losgehen (wir haben einen Dienstplan, der sicherstellt, dass diese unverzichtbaren Leute an allen Flugtagen zur Verfügung stehen). Da das Segelfliegen ein Mannschaftssport ist, bei dem man auf die Hilfe der anderen angewiesen ist, ist es wichtig, dass alle pünktlich erscheinen. Dementsprechend ist es nicht möglich, als Segelflieger erst um 12:00 Uhr zu kommen und um 15:00 Uhr wieder zu gehen, also zu fliegen, ohne die Flugzeuge mit aus- und einzuräumen!

Wir haben deshalb die Vereinbarung getroffen, dass jeder, der fliegen möchte, morgens pünktlich ist (9.00 Uhr +/- 20 Min) und abends bis zum Schließen der Tore bleibt. Um auch mit einem zeitintensiven Hobby wie der Segelfliegerei flexibler zu sein, kann man nach Absprache auch entweder morgens später kommen oder abends früher gehen – aber nicht beides.

Besonders in der Ausbildung, die für jeden Tag neu koordiniert werden muss, ist es wichtig, dass sich der Flugschüler an diese Regelung hält. Abhängig von Lust und Wetter endet der Flugbetrieb mal um 17:00 Uhr, mal um 20:00 Uhr. Die Maschinen werden dann gewaschen und eingeräumt. Gemeinsam lassen wir dann den Flugtag ausklingen.

Wie läuft ein typischer Tag ab?

Ein Segelflugschein wird auf Lebenszeit ausgestellt. Das bedeutet, dass er nicht verfallen kann. Um als verantwortlicher Luftfahrzeugführer – also selbständig als Pilot – fliegen zu dürfen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Es muss ein gültiges Tauglichkeitszeugnis vorliegen
  • Es müssen 25 Segelflüge in den letzten 24 Monaten nachgewiesen werden. Liegen die 25 Flüge nicht vor, können unter Aufsicht eines Fluglehrers Starts nachgeholt werden, bis die Bedingungen wieder erfüllt sind